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Ausleitungsverfahren

Die Themen dieser Seite:

Die klassischen Ausleitungsverfahren der Naturheilkunde. Unter Ausleitungsverfahren versteht man einerseits eine Reizung und andererseits eine Ausleitung von Schlacken und Giftstoffen über die Haut.

Die Naturheilkunde kennt verschiedene Methoden mit unterschiedlichem Wirkungsgrad, um diese Schlacken aus dem Körper zu bringen.
Es gibt Ausleitungen über die Niere, den Darm und weniger bekannt, auch über die Haut, bzw. über das Blut, die Ausleitung über die Haut / Blut wird mit folgenden Methoden erzielt.

Paracelsus (Theophrastus Bombastus von Hohenheim 1457-1535) ärgerte sich über das unkontrollierte Schröpfen und den Aderlass, da es im Mittelalter von Ärzten wohl zu häufig angewendet: " Nach den geldsüchtigen Sophistenärzten, soll jedem Aderlass eine Purgation (Darmentleerung durch z.B. Klistiere) vorangehen. Scheissen und Aderlassen zusammen trägt Geld in die Küche!"
Dies führte dazu, dass sowohl das Schröpfen, wie der Aderlass in Misskredit und Verruf kamen und diese Methoden bis in die heutige Zeit von Medizinern abgelehnt werden.

Allen Ausleitungsverfahren ist gemein, dass sie in der Schulmedizin wenig bekannt, ja vergessen sind und kaum angewendet werden. Sie sind zu einem wichtigen Bestandteil der Naturheilkunde, wie sie von Heilpraktikern angewendet wird, geworden.

Es ist der Verdienst des Arztes B. Aschner (Bernhard Aschner 1883-1969), dass diese Therapien wieder Einzug, zumindest in die naturheilkundliche Medizin gefunden haben. Im asiatischen Raum ist Schröpfen sehr beliebt und wird oft vor einer Akupunkturbehandlung durchgeführt.

1. Das Schröpfen

Die Schröpfkopf-Behandlung zählt zu den ältesten Naturheilkunde-Verfahren und dies seit Jahrtausenden. Bei allen Völkern der Erde ist sie weit verbreitet. Die heilende Wirkung war bekannt in der chinesischen Medizin, in der Ayurveda-Medizin Indiens sowie in Ägypten und Griechenland.
Das älteste Zeugnis der Schröpfbehandlung ist ein ärztliches Siegel aus Mesopotanien aus dem Jahre 3300 v. Chr., welches    drei Schröpfköpfe darstellt. Der Schröpfkopf mit seinen verschiedenen Varianten ist wohl eines der ältesten Instrumente überhaupt.

Unblutiges Schröpfen am Rücken - bitte klickenBeim Schröpfen wird in einem Schröpfglas (Schröpfkopf), entweder durch Erwärmung oder mittels einer Pumpe, bzw. eines Gummiballons, ein Vakuum erzeugt. Wird der Schröpfkopf nun auf die Haut gesetzt, bewirkt der Sog im Glas die heilende Wirkung.

Es wird zwischen trockenem und blutigem Schröpfen unterschieden. Beim trockenen Schröpfen fließt aus dem umliegenden Gewebe Blut in den angesogenen Hautbezirk hinein, nimmt man den Schröpfkopf ab, verbleibt ein roter bis blauroter runder Hof, der eine Art Bluterguss darstellt. Beim blutigen Schröpfen wird die Haut vor Aufsetzen des Schröpfkopfes leicht eingeschnitten, z.B. mit einem eigens zu diesem Zweck entwickelten Schröpfschnäpper.

Es wird ähnlich wie bei der chinesischen Akupunktur unterschieden zwischen Energieüberfüllung und - Unterversorgung, wobei das blutige Schröpfen bei Überfüllung und das trockene Schröpfen z.B. auf minderdurchbluteten Körperzonen angewendet wird.

Zum Schröpfen eignen sich bestimmte Zonen des Körpers, so z.B.: die Head'schen Segment-Zonen, (Hautbezirke entlang der Wirbelsäule, welche den Organen zugeordnet werden können), Bindegewebs-Reflexzonen und fast alle Schmerzzonen.

reflexzonenSchröpfen kann bei folgenden Erkrankungen angewendet werden:

  • Alle Wirbelsäulen-Syndrome (Lumbalgien, Ischialgien, Brachialgien)
  • Ausgleich von Fülle- und Leere-Zuständen der Organreflexzonen
  • Alle Verspannungsschmerzen (auch im Brust- und Abdominal - Bereich)
  • Hypertonie und Hypotonie
  • Menstruations- und klimakterische Beschwerden
  • Kopfschmerzen
  • Magen- und Lebererkrankungen

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2. Die Baunscheidtsche Therapie

Wesentlich jünger wie die Schröpfkunst ist die Baunscheidtsche Therapie. Ihr Erfinder, der Mechaniker Carl Baunscheidt (1809-1873) dachte sich, was die Chinesen mit ihrer Akupunktur mit wenigen Nadeln erreichen, ließe sich mit vielen Nadeln, bzw. Reizen, leichter und schneller erzielen. So entstand die deutsche Antwort auf die Akupunktur, auch "Akupunktur des Westens" genannt.

 Baunscheidt erfand ein Gerät, das er "Lebenswecker" nannte. baunscheidt1

Es ist ein Metallgriff, an dessen Ende sich gut ein Duzend Nadeln befinden. Mit diesem wurde die Haut leicht gestichelt.
Von ihm stammt auch der heute häufiger verwendete Roller oder Stichel mit Metallfeder, zum "Schnäppern".
Die Haut wird großflächig mit diesen Geräten behandelt und danach wird ein hystaminchlorid- haltiges Öl in die Haut einmassiert. Dieses Öl, auch als Redskin-Öl oder Baunscheidt-Öl bekannt, verursacht einen mehr oder weniger starken Ausschlag auf den zuvor gestichelten Hautpartien.

Erzielt werden mit dieser Methode vier Wirkungen:

  1. chronische oder akute Neuritiden werden geheilt,
  2. über die Reflexzonen werden die zugehörigen Organe gestärkt,
  3. kann über das Vegetativum auf das hormonelle Geschehen Einfluss genommen werden und
  4. werden aus den sich bildenden Pusteln Lymphflüssigkeit und Gewebeschlacken ausgeleitet.

baunscheidt2Während der Behandlung verspürt der Patient eine angenehme Wärme, danach tritt neben einer Schmerzlinderung häufig auch ein psychisches Wohlbefinden auf.
Für die Baunscheidtsche Therapie eignen sich fast alle Hautzonen, abgesehen von Schleimhäuten, die zu empfindlich auf  das starke Öl reagieren würden.

Indikationen sind:

  • gichtische Stoffwechselentgleisungen
  • rheumatoide Schmerzzustände
  • entzündliche und degenerative Organveränderungen
  • Neurodermitis und vieles mehr

Die Baunscheidtsche Therapie erfreute sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit und sie gehörte zum Schatz fast jeder Hausapotheke.

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3. Das Cantharidenpflaster

Wahrscheinlich wurde die heilende Wirkung durch Blasenbildung rein zufällig entdeckt. Durch Verbrennungen oder andere äußere Hautreizungen haben Menschen die Abheilung von z.B. ihrer Gicht, von Rheuma oder Gelenkschmerzen bemerkt.

Die indische Medizin kannte diese Methode bereits, allerdings nicht das Cantharidenpflaster.
Es wurde Asche mit ätzender Lauge vermischt und auf die Haut gebracht. Blasen ziehende Pflanzen, wie Hahnenfuß, Seidelbastrinde, Wolfsmilch oder Giftsumach, sowie auch Meerrettich, Pfeffer oder Senf verwendet.
Paracelsus, sowie auch Hufeland (1762-1836, schrieb Standardwerke der Naturheilkunde) lobten diese Heilmethode, ohne welche sie nicht hätten auskommen können. candariden

 Das Cantharidenpflaster wird aus getrockneten Körpern der in Südeuropa heimischen spanischen Fliege hergestellt, es ist in Apotheken als fertig aufgezogenes Pflaster erhältlich.
Das Pflaster wird unmittelbar auf oder direkt neben die krankhafte Stelle aufgelegt, üblicherweise nicht grösser als 5 x 5 cm.

Nach einer Verweildauer von 12 - 24 Stunden wird das Pflaster vorsichtig abgenommen. Darunter hat sich dann eine grosse mit seröser Flüssigkeit gefüllte Blase, gebildet. Die Flüssigkeit kann mit einer Spritze aufgezogen werden und zur Steigerung des Abwehrsystems dem Patienten gespritzt werden.

Es folgt eine gute Wundversorgung, da noch tagelang Flüssigkeit austreten kann. Wegen leichter Narbenbildung, die mit der Zeit aber wieder verschwindet, eignen sich aus ästhetischen Gründen nicht alle Körperstellen zur Behandlung mit dem Cantharidenpflasterer  im LWS-Bereich

Die Wirkung des Cantharidenpflasters ist verblüffend, es ist eine Art Reizkörpertherapie mit Dauerausleitung, die selbst in hartnäckigen Fällen, wie Gelenkprozessen, Auflösung alter Vernarbungen, Ausschwemmung von Schlacken (Stoffwechselreste), Lösung von Spasmen (Krämpfe) und Beendigung derer Schmerzzustände, erfolgversprechend ist.

Die Indikationen sind weitgefächert, so zählt Aschner unter anderen folgende Möglichkeiten auf:

  • Ohrensausen
  • Hypertonie (Bluthochdruck)
  • Schwindelzustände
  • Neuritis (Nervenentzündungen)
  • Gelenkschmerzen
  • Gürtelrose
  • Ischialgien (Schmerzen verursacht durch Reizung des Ischias-Nervs)
  • Arthritis (Gelenkentzündung)
  • Arthrose (Gelenkabnützung)
  • Gicht
  • chronische Ekzeme
  • Depressionen
  • Schwellungen und Prellungen.

"Es ist erstaunlich, dass man ein so einfaches und selbstverständliches Mittel seitens der Klinik so vollkommen vergessen konnte..." sagte Aschner über das Cantharidenpflaster.

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4. Der Aderlass

Der Aderlass ist aus der heutigen Medizin fast verschwunden, obwohl er in allen Systemen der Heilkunst vom Altertum über das Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert als sehr wirksames Mittel bei Störungen, die heute rein medikamentös behandelt werden, z.B. Schwindel und Tinnitus (Ohrgeräusche) eingesetzt wurde. aderlass

Bei Hippokrates wurde der Aderlass bereits in Schriften über Technik und Methoden des Aderlassens erwähnt. Galen (129 n. Chr.) bezeichnete den Aderlass als eines der wichtigsten Mittel. Die Meinung Paracelsus' wurde bereits erwähnt. Er sträubte sich gegen das unmässige Aderlassen, wie es im 16. Jahrhundert üblich war.
Einen italienischen Arzt bezichtigte er gar des "Vampirismus". Dies war natürlich um so mehr ein Streitpunkt, weil das Aderlassen damals von Badern ausgeführt werden durfte.

Interessant ist die Tatsache, dass z.B. in der Schweiz (Kanton Appenzell)  keine Venenpunktionen oder Spritzen in die Muskulatur ausführen dürfen, der Aderlass hingegen ist ausdrücklich im Gesetzestext erwähnt und erlaubt. Dies mag verdeutlichen, wie groß der Stellenwert der Tradition des Aderlassens heute noch ist.

Der Aderlass wird stets am liegenden Patienten durchgeführt. Wenn heute überhaupt noch, dann wird er meist in der Ellenbeuge angewendet.

Früher wurden auch andere Stellen, je nach Art der Erkrankung verwendet. Es gilt die Regel, dass die Ader so nahe wie möglich bei dem zu  behandelnden Stauungszustand zu lassen sei. Die Vene wird wie bei der Blutentnahme zu Laborzwecken mit einer Staubinde gestaut und sodann mit einer speziellen Aderlasskanüle punktiert. Diese hat eine dreikantige Spitze und einen relativ grossen Durchmesser für den ungehinderten Abfluss des Blutes.

Das Blut soll in einem Messbecher aufgefangen werden, "so dass es nicht plätschert", um den Patienten nicht zu beunruhigen. Normalerweise werden 200 - 300 ml Blut abgelassen, sodann wird die Staubinde gelöst und die Kanüle entfernt. Der Patient sollte danach noch eine Weile liegen bleiben.
Die moderne Variante des Aderlasses, das Blutspenden, hat sogar noch einen sozialen Effekt (Allerdings dürfen kranke Menschen natürlich kein Blutspenden!).

Indikationen für den Aderlass sind:

  • Stauungszustände jeglicher Art
  • psychische Verstimmung
  • Blutverdickung
  • Kopfschmerz, Schwindel
  • Schlaflosigkeit
  • Asthma
  • akute Infektionskrankheiten
  • zu geringe Periodenblutungen und bei Frauen im Klimakterium (Wechseljahre).

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5. Das Ansetzen von Blutegeln

Die Therapie mit Blutegeln dürfte so alt sein wie die Heilkunst selbst. Es gibt keinen Heilkundigen, der diese Form der Behandlung nicht erwähnt und auch angewendet hätte. blutegel

Im 19. Jahrhundert wurden alleine in Frankreich 100 Mio. Blutegel benützt, was gemessen an der Bevölkerung einen enormen "Pro-Kopf-Verbrauch" errechnen lässt. Selbst die Mode machte vor den "Tierchen" nicht halt und die Damenwelt bekleidete sich mit Blutegel-farbenen Mustern.
Der Blutegel (Hirudo medicinalis und Hirudo officinalis) ist ein schwarz-bräunlich gesprenkeltes wurmartiges Tier, das ca. 3 - 5 cm gross wird. Beim Biss sondert er ein stark blutverdünnendes Sekret - das Hirudin - ab, welches die Gerinnung verhindert. Die durch Blutegelbisse verursachten Wunden bluten sehr lange Zeit und sind nur schwer zu stillen, was die Blutegeltherapie sehr zeitintensiv macht und wohl auch Grund dafür ist, dass sie nicht mehr so oft angewendet wird. 
Das Hirudin wurde um 1900 chemisch analysiert und auch erstmals synthetisch hergestellt, es wurden folgende Wirkungen festgestellt:

  • Gerinnungshemmung
  • Beschleunigung des Blut- und Lymphflusses: Lymphe und Blut fließen vermehrt in die Gewebezwischenräume, und gelangen mit dem   Blutaustritt zur Ausscheidung, dadurch wird die Zirkulation durch Abfluss bei z.B. zu geringer Venentätigkeit angeregt.
  • Antithrombotisch: das heißt, Blutverklebungen werden aufgelöst und damit die Gefahr von Embolien verringert.
  • Abwehrsteigerung durch Anregung der Bildung weißer Blutkörperchen.

Lösung von Gefäßkrämpfen, z.B. Krampfaderschmerzen lassen deutlich nach.Die Anwendung ist einfach, lediglich der Ekel der Patienten muss vorab überwunden werden (der des Therapeuten eventuell auch!). Die Tiere stammen heute aus speziellen Zuchten und sind in Apotheken erhältlich.
An der Stelle, wo der Blutegel angesetzt werden soll, dürfen sich keine Salben- oder Seifenreste mehr befinden, weil diese Tiere sehr empfindlich gegenüber chemischer Substanzen reagieren.

Man setzte den Blutegel mit einem Glasrohr genau auf die betreffende Stelle, hat er sich fest gebissen, wird er beobachtete, damit er nicht doch einmal unbefugterweise abwandert. Die Saugzeit beträgt ca. 15 - 60 Minuten, danach löst sich der Blutegel von selbst.

Er darf nie während des Saugens entfernt werden! Danach muss die Wunde solange versorgt werden, bis sie nicht mehr nachblutet, dies kann mehrere Stunden andauern.

Auch hier sind die Indikationen vielfältig:

  • Thrombosen
  • Hämorrhoiden
  • Venenentzündungen
  • Krampfadern
  • Furunkel, sowie alle anderen unter den Ausleitungsverfahren bereits genannten Indikationen.

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